Trading-Journal führen: Vorlage, Kennzahlen und Software
Ein Trading-Journal ist ein Protokoll deiner Trades. Du hältst fest, was du gehandelt hast, warum, mit welchem Risiko und mit welchem Ergebnis. Erst mit diesen Daten erkennst du, welche Setups funktionieren und wo du von deinen Regeln abweichst. Ohne Journal bleibt vieles Bauchgefühl. Hier erfährst du, was hineingehört, wie du es auswertest und ob eine Tabelle reicht oder sich eine Software lohnt.
Was in ein Trading-Journal gehört
| Feld | Beispiel | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Datum, Uhrzeit | 14.10.2026, 15:42 | Zeigt, zu welchen Zeiten du gut oder schlecht handelst |
| Markt und Richtung | DAX, Long | Vergleich zwischen Märkten und zwischen Long und Short |
| Zeitebene und Setup | 1 Std., Bullenflagge | Grundlage, um Setups getrennt auszuwerten |
| Begründung vor dem Einstieg | Trend aufwärts, Ausbruch über Widerstand | Schützt davor, die Begründung nachträglich anzupassen |
| Einstieg, Stop, Ziel | Konkrete Kurse | Daraus ergeben sich CRV und Risiko |
| Positionsgröße und Risiko | 50 Stück, 100 € | Prüft, ob du deine Risikoregel einhältst (siehe Rechner) |
| Ergebnis in Euro und in R | +180 €, +1,8 R | R macht Trades mit unterschiedlicher Größe vergleichbar |
| Regel eingehalten? | Ja / Nein | Die wichtigste Spalte für die Auswertung deiner Disziplin |
| Gefühl und Lernpunkt | Ungeduldig, zu früh eingestiegen | Macht Muster aus der Trading-Psychologie sichtbar |
| Screenshot | Chart vor und nach dem Trade | Ein Bild zeigt mehr als jede Notiz |
Kostenlose Vorlage zum Download
Unsere Vorlage enthält alle Felder aus der Tabelle oben und eine Beispielzeile. Sie ist eine CSV-Datei, die sich in Excel, LibreOffice, Numbers und Google Sheets öffnen lässt.
Tipp: Speichere die Datei nach dem Öffnen im Format deines Programms (zum Beispiel .xlsx). Dann kannst du Formeln für die Auswertung ergänzen, etwa für das Ergebnis in R (Ergebnis in Euro geteilt durch Risiko in Euro).
Die Auswertung: diese Kennzahlen zählen
| Kennzahl | Berechnung | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Trefferquote | Gewinn-Trades ÷ alle Trades | Wie oft du richtig liegst |
| Ø Gewinn und Ø Verlust (in R) | Summe ÷ Anzahl, getrennt nach Gewinnen und Verlusten | Ob du Gewinne laufen lässt und Verluste begrenzt |
| Erwartungswert (in R) | Summe aller R ÷ Anzahl der Trades | Durchschnittliches Ergebnis pro Trade |
| Profit-Faktor | Summe der Gewinne ÷ Summe der Verluste | Über 1 ist profitabel, vor Kosten |
| Maximaler Drawdown (in R) | Größter Rückgang vom Höchststand der Ergebniskurve | Wie tief eine Verlustphase geht |
| Regelquote | Trades mit „Regel eingehalten“ ÷ alle Trades | Wie diszipliniert du handelst |
Beispiel mit 10 Trades
| Trade | Ergebnis in R | Summe in R |
|---|---|---|
| 1 | +2,0 | +2,0 |
| 2 | −1,0 | +1,0 |
| 3 | −1,0 | 0,0 |
| 4 | +3,0 | +3,0 |
| 5 | −1,0 | +2,0 |
| 6 | +1,5 | +3,5 |
| 7 | −1,0 | +2,5 |
| 8 | −1,0 | +1,5 |
| 9 | +2,0 | +3,5 |
| 10 | −0,5 | +3,0 |
Auswertung: 4 von 10 Trades sind Gewinner, die Trefferquote liegt bei 40 %. Die Gewinne summieren sich auf 8,5 R (Ø 2,1 R), die Verluste auf 5,5 R (Ø 0,9 R). Der Erwartungswert beträgt +0,3 R pro Trade (3,0 R ÷ 10), der Profit-Faktor rund 1,5 (8,5 ÷ 5,5). Der maximale Drawdown liegt bei 2 R, etwa von +2,0 auf 0,0 nach Trade 3. Trotz mehr Verlierern als Gewinnern ist das Ergebnis positiv, weil die Gewinne deutlich größer sind als die Verluste. Zehn Trades sind aber viel zu wenige für eine belastbare Aussage. Rechne mit eher 50 bis 100 Trades je Setup, bevor du Schlüsse ziehst.
Die Routine: wann du was einträgst
- Vor dem Trade: Setup, Begründung, Einstieg, Stop, Ziel und Positionsgröße. So kannst du die Begründung später nicht beschönigen.
- Nach dem Trade: Ausstieg, Ergebnis in Euro und in R, Regel eingehalten, Gefühl, Screenshot.
- Wöchentlich: Regelbrüche durchgehen. Gab es Trades ohne Setup?
- Monatlich: Kennzahlen je Setup, Markt und Uhrzeit vergleichen. Schwache Setups streichen, starke beibehalten.
Ändere deine Regeln auf Basis vieler Trades, nicht nach einer Serie von zwei oder drei Ergebnissen. Wie du Regeln vorher auf historischen Daten prüfst, steht unter Backtesting.
Tabelle, Notizbuch oder Software?
| Variante | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Papier oder Notizbuch | Einfach, fördert bewusstes Nachdenken | Kaum auswertbar, keine Kennzahlen |
| Tabelle (Excel, Google Sheets) | Kostenlos, frei anpassbar, Daten bleiben bei dir | Manuelle Eingabe, Formeln und Diagramme selbst bauen |
| Notiz-App (z. B. Notion) | Gut für Screenshots und Text | Auswertungen nur eingeschränkt |
| Journal-Software | Import vom Broker, fertige Auswertungen, Diagramme, Tags | Meist Abo-Kosten, Daten liegen beim Anbieter |
Für den Einstieg reicht eine Tabelle. Eine Software lohnt sich, wenn du regelmäßig handelst, viele Trades hast und Zeit beim Eintragen sparen willst. Bekannte spezialisierte Anbieter sind zum Beispiel Edgewonk, TraderSync und Tradervue. Manche Charting-Plattformen und Broker bieten zudem eigene Notiz- oder Auswertungsfunktionen.
Worauf du bei Journal-Software achten solltest
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| Broker-Import | Unterstützt die Software deinen Broker, per Datei oder Schnittstelle? Sonst trägst du alles von Hand ein. |
| Auswertungen | Kennzahlen in R, nach Setup, Markt, Wochentag und Uhrzeit filterbar |
| Tags und Notizen | Eigene Kategorien für Setups, Fehler und Gefühle |
| Screenshots | Bilder direkt am Trade speichern |
| Datenschutz | Wo liegen die Daten, gibt es einen Vertrag nach DSGVO? Lies die Datenschutzerklärung des Anbieters. |
| Export | Kannst du deine Daten jederzeit vollständig exportieren, etwa als CSV? |
| Kosten | Monatlich oder jährlich, gibt es eine Testphase? Prüfe die aktuellen Preise beim Anbieter. |
| Sprache | Viele Tools sind nur auf Englisch verfügbar. |
* Werbelink (Affiliate). Bei einem Abschluss oder Kauf über einen solchen Link erhalten wir ggf. eine Provision, für dich entstehen keine Mehrkosten. Die Reihenfolge hängt nicht von der Provision ab. Wie wir vergleichen: So vergleichen wir.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Trading-Journal auch im Demokonto?
Ja. Gerade im Demokonto lernst du, sauber zu dokumentieren. Die Gewohnheit nimmst du dann in den Handel mit echtem Geld mit.
Wie viel Zeit kostet ein Journal?
Pro Trade meist wenige Minuten. Dazu kommen eine kurze Wochenrunde und eine ausführlichere Auswertung im Monat.
Reicht Excel als Trading-Journal?
Für den Einstieg ja. Mit Formeln für R, Trefferquote und Erwartungswert hast du die wichtigsten Kennzahlen. Eine Software spart vor allem Zeit beim Import und bei Diagrammen.
Soll ich auch verpasste Trades notieren?
Ja, kurz. Wenn du ein gültiges Setup auslässt, ist das ebenfalls eine Abweichung vom Plan. Solche Muster siehst du nur, wenn du sie festhältst.
Brauche ich das Journal für die Steuer?
Ein Journal ersetzt keine Steuerunterlagen. Maßgeblich sind die Abrechnungen und Steuerbescheinigungen deines Brokers. Bei Fragen hilft eine Steuerberatung.