Backtesting
Beim Backtesting wendest du die Regeln einer Handelsidee auf historische Kurse an und prüfst, wie sie sich geschlagen hätte. Ein gutes Ergebnis ist keine Garantie, aber ein schlechtes ist eine klare Warnung.
Der Ablauf
- Regeln eindeutig formulieren: Einstieg, Stop, Ziel, Positionsgröße, Filter. Jede Entscheidung muss mechanisch prüfbar sein.
- Daten wählen: ausreichend lang, mit verschiedenen Marktphasen (Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtsphasen).
- Testen: manuell am Chart („Replay“) oder automatisiert (z. B. TradingView Strategy Tester, Python).
- Auswerten: Kennzahlen unten.
- Gegenprobe: Test auf Daten, die du nicht zur Optimierung genutzt hast.
Wichtige Kennzahlen
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| Trefferquote | Anteil der Gewinn-Trades |
| Durchschnittliches CRV | Durchschnittsgewinn ÷ Durchschnittsverlust |
| Erwartungswert | Durchschnittsergebnis je Trade, in R |
| Profit-Faktor | Summe der Gewinne ÷ Summe der Verluste (über 1 ist profitabel) |
| Maximaler Drawdown | Größter Rückgang vom Höchststand des Kontos |
| Anzahl der Trades | Mehr ist besser, rund 100 oder mehr für Aussagekraft |
Erwartungswert verstehen
Erwartungswert (in R) = Trefferquote × CRV − (1 − Trefferquote)
Beispiel: Trefferquote 40 %, CRV 2,5 → 0,4 × 2,5 − 0,6 = 0,4 R pro Trade. Bei 1 % Risiko pro Trade ist das im Schnitt 0,4 % des Kontos pro Trade, vor Kosten.
Beispiel: Trefferquote 40 %, CRV 2,5 → 0,4 × 2,5 − 0,6 = 0,4 R pro Trade. Bei 1 % Risiko pro Trade ist das im Schnitt 0,4 % des Kontos pro Trade, vor Kosten.
Die Trefferquote, ab der eine Strategie (vor Kosten) bei einem gegebenen CRV nicht verliert:
| CRV | Break-even-Trefferquote |
|---|---|
| 1,0 : 1 | 50 % |
| 1,5 : 1 | 40 % |
| 2,0 : 1 | 33 % |
| 3,0 : 1 | 25 % |
| 5,0 : 1 | 17 % |
Eine niedrige Trefferquote ist also kein Problem, wenn das CRV passt. Die Kosten (Spread, Gebühren, Slippage) musst du zusätzlich abziehen.
Die größten Fehlerquellen
| Fehler | Erklärung |
|---|---|
| Overfitting (Überanpassung) | Zu viele Parameter werden an die Vergangenheit angepasst. Die Strategie „kennt“ die Daten, nicht den Markt. |
| Look-ahead-Bias | Die Regel nutzt Informationen, die zum Handelszeitpunkt noch nicht bekannt waren (z. B. den Schlusskurs für einen Einstieg im Tagesverlauf) |
| Survivorship-Bias | Nur Werte, die bis heute überlebt haben, werden getestet. Pleiten und Delistings fehlen. |
| Kosten ignoriert | Spread, Gebühren, Slippage und Steuern fehlen im Test |
| Zu wenige Trades | Ergebnis zufällig, nicht belastbar |
| Rosinenpicken | Nur die besten Zeiträume oder Werte werden gezeigt |
Out-of-Sample und Walk-Forward
- Out-of-Sample: Teile die Daten. Optimiere auf dem ersten Teil (z. B. 70 %), prüfe auf dem zweiten (30 %), ohne zu ändern.
- Walk-Forward: Mehrfach rollierend optimieren und auf dem jeweils folgenden Abschnitt testen. Das ähnelt dem Livehandel am meisten.
- Papierhandel (Paper Trading): Danach Demo oder mit kleiner Positionsgröße live prüfen
Grundlage dafür ist ein klarer Handelsplan: Grundlagen · Risikomanagement.
Der Handel mit Wertpapieren und Derivaten birgt hohe Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust. Beispiele sind Rechenbeispiele und keine Handelsempfehlungen. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für die Zukunft.
← Zur Übersicht Technische Analyse