Depotvergleich

Backtesting

Stand: Oktober 2026 · Bildungsinhalt, keine Anlageberatung

Beim Backtesting wendest du die Regeln einer Handelsidee auf historische Kurse an und prüfst, wie sie sich geschlagen hätte. Ein gutes Ergebnis ist keine Garantie, aber ein schlechtes ist eine klare Warnung.

Der Ablauf

  1. Regeln eindeutig formulieren: Einstieg, Stop, Ziel, Positionsgröße, Filter. Jede Entscheidung muss mechanisch prüfbar sein.
  2. Daten wählen: ausreichend lang, mit verschiedenen Marktphasen (Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtsphasen).
  3. Testen: manuell am Chart („Replay“) oder automatisiert (z. B. TradingView Strategy Tester, Python).
  4. Auswerten: Kennzahlen unten.
  5. Gegenprobe: Test auf Daten, die du nicht zur Optimierung genutzt hast.

Wichtige Kennzahlen

KennzahlBedeutung
TrefferquoteAnteil der Gewinn-Trades
Durchschnittliches CRVDurchschnittsgewinn ÷ Durchschnittsverlust
ErwartungswertDurchschnittsergebnis je Trade, in R
Profit-FaktorSumme der Gewinne ÷ Summe der Verluste (über 1 ist profitabel)
Maximaler DrawdownGrößter Rückgang vom Höchststand des Kontos
Anzahl der TradesMehr ist besser, rund 100 oder mehr für Aussagekraft

Erwartungswert verstehen

Erwartungswert (in R) = Trefferquote × CRV − (1 − Trefferquote)
Beispiel: Trefferquote 40 %, CRV 2,5 → 0,4 × 2,5 − 0,6 = 0,4 R pro Trade. Bei 1 % Risiko pro Trade ist das im Schnitt 0,4 % des Kontos pro Trade, vor Kosten.

Die Trefferquote, ab der eine Strategie (vor Kosten) bei einem gegebenen CRV nicht verliert:

CRVBreak-even-Trefferquote
1,0 : 150 %
1,5 : 140 %
2,0 : 133 %
3,0 : 125 %
5,0 : 117 %

Eine niedrige Trefferquote ist also kein Problem, wenn das CRV passt. Die Kosten (Spread, Gebühren, Slippage) musst du zusätzlich abziehen.

Die größten Fehlerquellen

FehlerErklärung
Overfitting (Überanpassung)Zu viele Parameter werden an die Vergangenheit angepasst. Die Strategie „kennt“ die Daten, nicht den Markt.
Look-ahead-BiasDie Regel nutzt Informationen, die zum Handelszeitpunkt noch nicht bekannt waren (z. B. den Schlusskurs für einen Einstieg im Tagesverlauf)
Survivorship-BiasNur Werte, die bis heute überlebt haben, werden getestet. Pleiten und Delistings fehlen.
Kosten ignoriertSpread, Gebühren, Slippage und Steuern fehlen im Test
Zu wenige TradesErgebnis zufällig, nicht belastbar
RosinenpickenNur die besten Zeiträume oder Werte werden gezeigt

Out-of-Sample und Walk-Forward

Grundlage dafür ist ein klarer Handelsplan: Grundlagen · Risikomanagement.

Der Handel mit Wertpapieren und Derivaten birgt hohe Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust. Beispiele sind Rechenbeispiele und keine Handelsempfehlungen. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für die Zukunft.

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