Anleihen: Funktionsweise, Chancen, Risiken und Steuern
Mit einer Anleihe leihst du einem Staat oder Unternehmen Geld. Dafür bekommst du regelmäßig Zinsen (den Kupon) und am Laufzeitende den Nennbetrag zurück, sofern der Schuldner zahlen kann.
Auf einen Blick
| Renditechance | niedrig bis mittel |
|---|---|
| Schwankungsrisiko | gering bis mittel, abhängig von Laufzeit und Bonität |
| Verlustrisiko | Kursverluste bei steigenden Zinsen, Ausfall des Schuldners möglich |
| Verfügbarkeit | börsentäglich handelbar, Rückzahlung zum Nennwert bei Fälligkeit |
| Gesetzliche Sicherung | keine, Qualität hängt vom Schuldner ab |
So funktioniert es
Kupon: Der feste jährliche Zins auf den Nennwert. Rendite: Die tatsächliche jährliche Verzinsung, wenn du die Anleihe zum aktuellen Kurs kaufst und bis zur Fälligkeit hältst.
Kurs und Zins gegenläufig: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, weil neue Anleihen besser verzinst sind. Je länger die Laufzeit (genauer: die Duration), desto stärker. Faustregel: Bei einer Duration von 5 Jahren sinkt der Kurs bei einem Zinsanstieg von einem Prozentpunkt um rund 5 %.
Bonität: Je schwächer der Schuldner, desto höher der Zins, aber auch das Ausfallrisiko. Bundesanleihen gelten als sehr sicher, Hochzinsanleihen (High Yield) sind deutlich riskanter und verhalten sich eher wie Aktien.
Chancen
- Planbare Zinszahlungen und Rückzahlung bei Fälligkeit
- Stabilisierung eines Depots, weil Anleihen sich anders entwickeln können als Aktien (dies ist nicht in jeder Marktphase der Fall, etwa bei stark steigenden Zinsen)
- Breite Streuung über Anleihen-ETFs möglich
Risiken
- Zinsänderungsrisiko: Steigende Zinsen drücken die Kurse.
- Kredit- und Ausfallrisiko: Der Schuldner kann zahlungsunfähig werden. Bei Einzelanleihen kann das ein Totalverlust sein.
- Inflationsrisiko: Feste Zinsen verlieren bei hoher Inflation real an Wert.
- Liquiditätsrisiko: Kleine Anleihen sind teils kaum handelbar, Spreads können groß sein.
Kosten
- Orderkosten und Spread beim Kauf und Verkauf
- Bei Anleihen-ETFs laufende Kosten (TER)
- Beim Kauf zwischen Zinsterminen fallen Stückzinsen an
Besteuerung in Deutschland
- Zinsen und Kursgewinne unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 % plus Soli (und ggf. Kirchensteuer).
- Gezahlte Stückzinsen können steuerlich verrechnet werden.
- Bei Anleihen-ETFs gelten abhängig von der Struktur die Regeln für Investmentfonds, in der Regel ohne Teilfreistellung.
Für wen geeignet?
Für Anleger, die Schwankungen im Depot dämpfen oder planbare Zahlungen wollen. Für kurze Anlagehorizonte eignen sich eher kurze Laufzeiten, für den Rest eher breit gestreute Anleihen-ETFs statt Einzeltitel.
Typische Fehler
- Nur auf den Kupon achten und die Bonität ignorieren
- Hohe Zinsen bei schwachen Schuldnern für „sicher“ halten
- Lange Laufzeiten kaufen, ohne das Zinsänderungsrisiko zu verstehen
- Mittelstandsanleihen einzeln und in großen Beträgen kaufen
Anleihen-ETFs
Anleihen-ETFs halten viele Anleihen und haben keine feste Fälligkeit. Das bedeutet: Ein fester Rückzahlungstermin fehlt, der Kurs schwankt dauerhaft mit den Zinsen. „Laufzeit-ETFs“ (Target-Maturity) enden zu einem festen Datum und ähneln wieder einer Einzelanleihe.
Weiter: Steuern auf Kapitalerträge · Strategien · Grundlagen des Vermögensaufbaus · Inflation und Zinseszins