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Fibonacci: Retracements und Extensions

Stand: Oktober 2026 · Bildungsinhalt, keine Anlageberatung

Fibonacci-Werkzeuge teilen eine Kursbewegung in Verhältnisse, die aus der Fibonacci-Folge (1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 …) abgeleitet sind. Teilt man eine Zahl durch die nächsthöhere, nähert sich das Ergebnis 0,618, der Kehrwert ist 1,618 (der „Goldene Schnitt“).

Retracement-Level

Retracements zeigen, wie weit eine Korrektur in einen vorherigen Trend hineinlaufen könnte.

LevelHerkunftBedeutung
23,6 %0,618³Flache Korrektur in sehr starkem Trend
38,2 %1 − 0,618Normale Korrektur in intaktem Trend
50 %Dow-Theorie, keine Fibonacci-ZahlHäufig beobachtet, psychologische Marke
61,8 %Goldener SchnittTiefe Korrektur, letzte Chance für den Trend
78,6 %√0,618Sehr tiefe Korrektur, Trend in Gefahr

So zeichnest du es

  1. Im Aufwärtstrend vom Tief (Swing Low) zum Hoch (Swing High) ziehen, im Abwärtstrend umgekehrt.
  2. Die Level erscheinen automatisch als horizontale Linien.
  3. Achte auf Reaktionen des Kurses (Kerzenmuster, Umkehr) an einem dieser Level.

Extensions (Kursziele)

Extensions projizieren Ziele über das bisherige Hoch hinaus: häufig verwendet werden 127,2 % und 161,8 %. Auch in der Elliott-Wellen-Theorie werden sie genutzt.

Handelsbeispiel (Lernbeispiel)

Aufwärtstrend von 80 € auf 120 €. Der 61,8-%-Retracement liegt bei 120 − 0,618 × 40 = 95,28 €. Dreht der Kurs dort mit einem Kerzenmuster, wäre der Einstieg bei etwa 96 € mit Stop unter 94 € (Risiko ca. 2 €) und dem alten Hoch bei 120 € als Ziel (Chance ca. 24 €) rechnerisch sehr günstig.

Kritik

Alle Level im Rechenbeispiel

Aufwärtstrend von 80 € (Swing Low) auf 120 € (Swing High), Spanne 40 €. Retracement-Level = Hoch − Prozentsatz × Spanne:

RetracementKurs
23,6 %110,56 €
38,2 %104,72 €
50 %100,00 €
61,8 %95,28 €
78,6 %88,56 €

Extensions (Kursziele über dem Hoch): Tief + Prozentsatz × Spanne:

ExtensionKurs
127,2 %130,88 €
161,8 %144,72 €

So wählst du den Swing richtig

Fibonacci funktioniert nur so gut wie die Wahl der Eckpunkte. Nimm deutliche, auf der gewählten Zeitebene erkennbare Wendepunkte, keine Zufallshochs. Wenn mehrere Analysten verschiedene Swings wählen, entstehen unterschiedliche Level. Das ist der Hauptgrund für die Kritik an der Methode. Ziehe das Werkzeug deshalb erst, nachdem der Kurs eine klare Bewegung gemacht hat.

Konfluenz: Wenn mehrere Marken zusammenfallen

Ein Fibonacci-Level allein ist schwach. Interessant wird es, wenn es mit anderen Marken zusammenfällt: einem früheren Support oder Widerstand, einem gleitenden Durchschnitt oder einer Trendlinie. In solchen Zonen sind mehr Marktteilnehmer aufmerksam, und ein Kerzenmuster wie der Hammer hat mehr Gewicht.

Risikomanagement mit Fibonacci

Setze den Stop hinter das nächste Fibonacci-Level oder hinter den Swing-Punkt, nicht auf das Level selbst. Prüfe das Chance-Risiko-Verhältnis mit dem Positionsgrößen-Rechner.

Es gibt keine belastbaren Belege, dass Fibonacci-Level besser funktionieren als zufällige Marken. Wegen der vielen Level fällt fast jede Umkehr in die Nähe eines davon, und die Wahl von Swing Low und High ist subjektiv. Der Effekt hängt auch damit zusammen, dass viele Händler dieselben Marken beobachten. Nutze Fibonacci nur als Zonen im Zusammenspiel mit Support/Widerstand (Konfluenz), nicht allein.

Häufige Fragen

Warum sind 38,2 %, 50 % und 61,8 % so bekannt?

Sie gelten als häufigste Korrekturniveaus. 38,2 und 61,8 sind aus der Fibonacci-Folge abgeleitet, 50 % stammt aus der Dow-Theorie.

Funktioniert Fibonacci wirklich?

Belastbare Belege fehlen. Der Reiz liegt auch in der Selbsterfüllung: Viele Händler beobachten dieselben Marken. Behandle Fibonacci als eine von mehreren Orientierungen.

Auf welchen Zeitebenen funktioniert es?

Auf allen, aber Level aus Tages- und Wochencharts gelten als wichtiger als aus Minutencharts.

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