Bollinger-Bänder: Volatilität sichtbar machen
Bollinger-Bänder (entwickelt von John Bollinger) bestehen aus drei Linien: einem gleitenden Durchschnitt in der Mitte und je einem Band darüber und darunter, die die Schwankung des Kurses abbilden. Standard sind 20 Perioden und 2 Standardabweichungen.
Aufbau
- Mittellinie = SMA(20)
- Oberes Band = Mittellinie + 2 × Standardabweichung der letzten 20 Schlusskurse
- Unteres Band = Mittellinie − 2 × Standardabweichung
Je stärker der Kurs schwankt, desto weiter öffnen sich die Bänder, bei ruhigem Markt ziehen sie sich zusammen.
Wichtige Muster
- Squeeze: Die Bänder sind ungewöhnlich eng. Auf ruhige Phasen folgen oft stärkere Bewegungen. Die Richtung sagt der Squeeze nicht voraus.
- Walking the Band: In starken Trends läuft der Kurs entlang des oberen (oder unteren) Bandes. Das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Überhitzung.
- Rückkehr zur Mitte: In Seitwärtsmärkten pendelt der Kurs oft zwischen den Bändern und kehrt zur Mittellinie zurück.
- Bandbreite: (oberes Band − unteres Band) ÷ Mittellinie macht Squeezes messbar.
Der häufigste Fehler
Bandbreite im Beispiel
Die Bandbreite = (oberes Band − unteres Band) ÷ Mittellinie. Mittellinie 100 €, Band 106 € und 94 €: (106 − 94) ÷ 100 = 12 %. Zieht sich die Bandbreite auf 4 % zusammen, liegt ein Squeeze vor. Vergleiche den aktuellen Wert mit den Werten der letzten Monate, denn „eng“ ist relativ zum jeweiligen Markt.
Drei Ansätze im Überblick
| Ansatz | Idee | Risiko |
|---|---|---|
| Squeeze-Ausbruch | Nach enger Spanne bricht der Kurs aus. Einstieg in Ausbruchsrichtung mit Stop an der Mittellinie | Fehlausbrüche, Richtung offen |
| Rückkehr zur Mitte | Im Seitwärtsmarkt Kauf am unteren, Verkauf am oberen Band, Ziel Mittellinie | Im Trend gefährlich |
| W- und M-Formationen | Zweites Tief über dem unteren Band nach erstem Tief außerhalb signalisiert Stärke | Erfordert Erfahrung |
Einstellungen
20 Perioden und 2 Standardabweichungen sind Standard. Kürzere Zeiträume (10 Perioden mit 1,5) eignen sich für kurzfristiges Handeln, längere (50 mit 2,5) für Positionstrader. Wichtiger als die Einstellung ist die Frage, ob der Markt gerade trendet oder pendelt. Nutze dazu den ADX.
Kombination mit Volatilitäts- und Momentumwerkzeugen
Bollinger-Bänder messen die Volatilität in Form der Standardabweichung, die ATR in Form der durchschnittlichen Kursspanne. Beides ergänzt sich: Bänder zeigen Verengung und Ausweitung, die ATR hilft bei Stops und Positionsgröße. Ein RSI-Wert am Bandrand zeigt, ob eine Bewegung durch Momentum gestützt ist.
Praxis-Tipps
- Erst die Marktphase (Trend oder Seitwärts) bestimmen, dann die Bänder interpretieren
- Ausbrüche aus dem Squeeze mit Volumen und Trend bestätigen
- Mit RSI oder Kerzenmustern kombinieren
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn der Kurs außerhalb der Bänder schließt?
Nicht automatisch eine Umkehr. In Trends kann der Kurs lange außerhalb bleiben („Walking the Band“). Es zeigt vor allem ungewöhnliche Stärke oder Schwäche.
Wie erkenne ich einen Squeeze?
Die Bandbreite fällt auf ein Mehrmonatstief. Viele Plattformen bieten dafür einen eigenen Indikator („Bollinger Bandwidth“).
Sind Bollinger-Bänder ein Handelssystem?
Nein. Sie sind ein Werkzeug zur Einordnung der Volatilität. Für ein System brauchst du Einstiegs-, Ausstiegs- und Risikoregeln, siehe Backtesting.
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